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Ausgekotzt: Rein ins bunte Vergnügen!

„Fidl Kunterbunt und sein Revoluzzerbär“ stand auf dem bunten Flyer geschrieben. Weil hier ja ohnehin nix los ist, bin ich also hin. Mal guggn, sozusagen. Vorher noch schnell durchs Internet gecheckt. Der Herr hat ein Myspace-Profil und ne Homepage, deren Style mich an meine 486er-Zeiten erinnerte, aber gut. Auf geht´s: rein ins bunte Vergnügen!

Super, es gab Aschenbecher, Bier und „Reis mit Scheiß“. Erwartet hatte ich nichts. Vorn saß ein symphatisch würgender Typ – „ich bin aufgeregt“ – am Mikrophon und begann auf seiner Akustikgitarre mit Gitarrenbox zu spielen. War das nun „Fidl Kunterbunt“ oder der „Revoluzzerbär“? Keine Ahnung, einer der beiden blieb aber offensichtlich heute zu Hause. Zunächst einmal war er ziemlich jung – zumindest für einen, der sich selbst als Liedermacher bezeichnet. Da stellt man sich ja eher so Alt-68er-Kerle mit langen Bärten vor. Die Überraschung währte dennoch nur kurz, denn inhaltlich waren das genau die ollen Kamellen mit ewiglangen Bärten. Los ging’s mit ner deftigen Portion Lokalpatriotismus. Pointe: die Kapitalisten machen meinen Kiez kaputt. Ok, kennt man ja. Gentrification ist nicht schön. Bestimmt kommt der arme Kerl aus Hamburg. Doch es wurde bald noch schlimmer. Im zweiten oder dritten Stück gab es den anscheinend obligatorischen Diss gegen „die israelliebenden Antideutschen“. Nach eigener Aussage das „harmloseste“ seiner anti-antideutschen Stücke, er habe ja noch so einige, oha! Das Lied hieß übrigens „verkürzte Kapitalismuskritik“. Bei so viel Selbstreflexion fällt einem auch gar nichts mehr ein.

Die Kapitalismuskritik des Herrn Liedermacher stellte sich denn auch folgendermaßen dar – zumindest so ungefähr – Melodie bitte selbst erfinden: „Wir haben ein großes Ziel.“ „No border – no nation – stop deportation.“ „Eine Welt ohne Grenzen und ohne Staaten und all das blöde Zeugs.“ „Anarchie.“ „Arbeiten macht keinen Spaß.“ „Steine werfen und Wände ansprühen macht Spaß.“ „Die Revolution wäre schon ne ganz tolle spaßige Sache.“ „Eine nicht-abwaschbare Zauberfarbe wäre etwas ganz tolles zum Parolen sprühen. Dafür würde ich sogar Geld ausgeben.“ „Steine sollte man am besten auf das Finanzamt schmeißen.“ „Die Steine kann man sich doch bei der beschissenen Mauer in Israel holen.“ „Wem kann man es verübeln, wenn wieder Kapitalisten an den Laternen hängen und Steine fliegen.“ „Ich habe ein weiches Herz.“ Ja Herz, nicht Hirn hat er gesungen. Mehr Erinnerungsfetzen sind mir glücklicherweise nicht geblieben, denn mir wurde übel und die restlichen Zuhörer spendeten Applaus.

Gegen Ende meinte der Herr noch ein Stück vortragen zu müssen, welches „mich daran erinnern soll, wo ich herkomme“. Inhalt hab ich leider vergessen, doch der Herr kam wohl aus dem Erzgebirge und wohnt jetzt in Leipzig. Ja, wieso ist der bei so viel linkem Stumpfsinn denn nicht im Erzgebirge geblieben, sondern geradewegs ins tolle Leipzig gezogen?! Dort, wo die bösen (israelliebenden) Antideutschen seit Jahren die Debatten jenseits der Linkspartei dominieren. Ein Hamburger meinte übrigens vor Kurzem zu mir: „Die Flora kann sich mal ne Scheibe vom Island abschneiden.“ Dem Fidl kann ich kaum einen solchen Rat mit auf den Weg geben, aber ich lass es doch gern auf einen Versuch ankommen: Fidl, fahr zur Hölle aka zurück ins Erzgebirge! Dort fällt die Feindbildkonstruktion um ein Vielfaches leichter, denn Nazis gibt es dort zu Genüge. Verhau sie am besten mit deiner Gitarre – viel Spaß beim toben! Lauf anschließend paar Runden im Wald und frag dich wieder und wieder, weshalb Nazis deine Musik geil (kein Witz!) finden!

Ok schlecht. Etwas genaueres googeln im Vorhinein hätte denn auch eine deutliche Warnung zu Tage fördern können. So schreibt die „Redaktion“ des „Liedermacher-Forums“ zur Homepage des Herrn Liedermacher: „Die Aufmachung der Seite passt zum Titel – hier ist alles kunterbunt – die Farben, die Inhalte, die Weltanschauung. [lol] Allerdings könnte es unbedarften Besuchern passieren, dass sie etwas verwirrt sind, wenn sie sich nur oberflächlich mit der Seite und dem Künstler beschäftigen. Bei einem ersten Besuch könnte man meinen, die Seite würde von Terroristen betrieben, die unerkannt bleiben möchten. Zu diesem Bild passt auch, dass der Künstler seinen wahren Namen nicht preisgibt, sondern lediglich als ‚Fidl‘ auftritt. Zu der Musik von ‚Fidl‘ werden auf der Seite leider nicht sehr viele Informationen preisgegeben – lediglich der Hinweis auf 3 CDs mit Titelliste und dass sie käuflich zu erwerben sind. Die Seite könnte in dieser Hinsicht ruhig noch etwas überarbeitet werden.“ Zumindest letzteres Problem dürfte nun mit Hilfe eines Links auf diesen Text leicht zu beheben sein: „Kontakt über: Fidl, Sachsen, Kreis Aue- Schwarzenberg, Deutschland“. Viva la Revolucion, oder so!

Ein weiteres tolles Propaganda-Blog!

Hallo und herzlich willkommen! In Zwickau tut sich etwas: das kann man begrüßen. Junge Linke wollen plötzlich etwas: das kann nach hinten losgehen! Diverse Begebenheiten in jüngster Vergangenheit stützen diese Befürchtung. Dem muß widersprochen werden. Vielleicht hier, vielleicht andernorts: demnächst wird gebattlet. „Willst du Battle? Kriegst du Battle!“ Hier unter Umständen auch ohne die Eingangsfrage. Thema in Vorbereitung: „Viva la Revolucion?“ oder „Fahr zur Hölle Fidl!“ Watch out!